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Angourie Rice: Nicht nur Äußerlichkeiten

In „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ verliebt sich Angourie Rice in eine Seele ohne eigenen Körper. Im Interview spricht die Schauspielerin über die Botschaft dahinter.

Angourie Rice hat mit ihren gerade mal 17 Jahren schon eine recht ansehnliche Karriere hinter sich. Die junge Schauspielerin, die momentan im letzten Jahr auf der Highschool ist, dürfte vielen bekannt sein aus Filmen wie „The Nice Guys“, „Spider-Man: Homecoming“ oder „Die Verführten“. Nun hat sie die Rolle der Rhiannon in der paranormalen Bestseller-Verfilmung und Teenie-Romanze „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ (Start: 31. Mai) übernommen. Im Interview spricht die Australierin über ihren neuen Film, ihren Plan B und über ihre Zeit in Deutschland.

teleschau: „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist die filmische Umsetzung des gleichnamigen Romans von David Levithan. Haben Sie das Buch gelesen?

Angourie Rice: Das habe ich! Ich habe es mir damals zufällig in der Bibliothek ausgeliehen und mich direkt in die Geschichte verliebt. Ich hätte aber natürlich niemals gedacht, dass ich Rhiannon auf der Leinwand verkörpern werde.

teleschau: Was war Ihr erster Gedanke, als klar wurde, dass es einen Film geben wird und Sie sogar die Hauptrolle spielen dürfen?

Rice: Ich war furchtbar aufgeregt, und es hat mich sehr gefreut, ein Teil dieser Geschichte sein zu dürfen.

teleschau: Was hat Sie denn am Film und Buch besonders gereizt?

Rice: Ich denke, dass mich vor allem die interessanten Fragen, die dieses Buch aufwirft, so begeistert haben. Themen wie Verbindungen zwischen Menschen, Identitäten und Liebe sind hier so zentral – das ist das Außergewöhnliche daran.

teleschau: Wie viel von Ihnen steckt denn in Rhiannon?

Rice: (lacht) Da bin ich mir nicht so ganz sicher. Ich denke, wir sind uns ziemlich ähnlich. Rhiannon beschäftigt sich sehr damit, was in der Vergangenheit passiert ist und nimmt es mit in ihre Gegenwart. Das ist die stärkste Eigenschaft, die wir gemeinsam haben.

teleschau: Im Film geht es ja um einen Charakter, der jeden Tag in einem neuen Körper aufwacht. Gibt es jemanden, in dessen Körper Sie für einen Tag herumlaufen möchten?

Rice: Ja, auf jeden Fall. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das auch funktionieren würde, denn ich wäre gerne für einen Tag lang mein Hund. Das wäre sehr interessant und faszinierend.

teleschau: Den ganzen Tag schlafen, Katzen hinterherjagen und gekrault werden …?

Rice: Genau – und endlich herausfinden, ob mein Hund Menschen und andere Hunde verstehen kann.

teleschau: Welche Botschaft sollen die Zuschauer aus „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ mit nach Hause nehmen?

Rice: Ich hoffe, dass die Menschen durch den Film begreifen, dass es in Beziehungen zu anderen und zu sich selbst nicht nur um Äußerlichkeiten geht. Das fände ich schön – wenn der Film das erfolgreich vermitteln würde und den ein oder anderen dahin lenkt.

teleschau: In Zeiten von Tinder und Co. – denken Sie, dass der Film genau dafür einen Gegenentwurf aufzeigt?

Rice: Ja, ich denke schon. Denn Liebe ist nicht schnelllebig, sondern braucht Zeit. Außerdem ist es furchtbar, dass Menschen mit nur einem Blick auf ihr Smartphone einen anderen Menschen beurteilen und wegwischen können.

teleschau: Würden Sie denn jemandem glauben können, der ihnen erzählt, er wache jeden Tag in einem anderen Körper auf?

Rice: Ganz ehrlich? Ich denke eher nicht. Ich würde wahrscheinlich erst einmal davon ausgehen, dass mein Gegenüber mich verkohlen will.

teleschau: Der deutsche Titel „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ist ja ein ganz anderer als der englische. Wie finden Sie ihn?

Rice: Das ist ja ein viel coolerer Titel als „Every Day“. Das ist wirklich interessant. Denn er bedeutet etwas ganz anderes als der Originaltitel. Viel poetischer, er beleuchtet einen ganz anderen Aspekt des Films. Auch deswegen beschäftige ich mich so gerne mit Sprachen – verschiedene Sprachen und Kulturen beleuchten unterschiedliche Aspekte.

teleschau: Sie sprechen selbst ein bisschen Deutsch. Warum wollten Sie unbedingt diese, zumindest grammatikalisch, recht komplizierte Sprache lernen?

Rice: (lacht) Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich das Glück hatte, mit meiner Familie ein Jahr in Deutschland wohnen zu können, in München.

teleschau: Haben Sie da auch ein bisschen Dialekt mit nach Hause genommen?

Rice: (lacht) Ja! Die Leute in Bayern sagen „Servus“ zur Begrüßung, oder? Ich habe leider kein Bayerisch gelernt, aber Servus war allgegenwärtig.

teleschau: Wie schräg ist es für Sie, sich selbst auf der Leinwand eine andere Sprache sprechen zu hören?

Rice: Das ist jedes Mal sehr schräg. Aber auch toll. Eine schöne Geschichte dazu ist, dass ich einmal eine französische Synchronsprecherin getroffen habe, die mich vertont hat und ich war einfach fasziniert davon, mit ihr sprechen zu können und dabei zu wissen, dass sie mich synchronisiert.

teleschau: Hören Sie sich denn gerne auf Deutsch und vergleichen es dann mit Ihren eigenen Kenntnissen?

Rice: Ja, eben weil ich in München gelebt habe. Aber dann fällt mir vor allem wieder auf, wie weit ich doch von einem Muttersprachler entfernt bin (lacht).

teleschau: Sie haben einen eigenen Blog mit dem Namen „Thoughts to keep me sane“ („Gedanken, die mich gesund halten“, Anm. d. Red.). Warum haben Sie ihn ins Leben gerufen und sich gerade für diesen, doch sehr speziellen Namen entschieden?

Rice: Ich habe eine Plattform benötigt, auf der ich meine Gedanken teilen kann. Ich weiß, dass ich mit wachsender Bekanntheit eine Stimme bekomme, die es mir ermöglicht, mit manchen Gedanken viele Menschen zu erreichen. Und er hält mich gesund, denn das Filmbusiness kann speziell für junge Schauspieler überfordernd sein.

teleschau: Sie haben bereits mit großen Namen wie Tom Holland, Ryan Gosling oder Sofia Coppola zusammengearbeitet. Was macht das mit einer jungen Schauspielerin, die immer noch zur Highschool geht?

Rice: Ich fühle mich wahnsinnig geehrt, mit so großartigen Kollegen arbeiten zu dürfen. Es ist toll! Außerdem bin ich so dankbar über den Rückhalt meiner Eltern, die ja in diesem Bereich arbeiten. Das hat natürlich vieles einfacher gemacht – also insofern, dass meine Eltern und ich nicht blauäugig an die Sache herangegangen sind.

teleschau: Gibt es denn einen Plan B, falls Sie sich eines Tages dafür entscheiden, nicht mehr vor der Kamera stehen zu wollen?

Rice: Es gibt tatsächlich einige Optionen, die für mich infrage kämen. Ich möchte aber so oder so dem künstlerischen Bereich treu bleiben. Aber natürlich hoffe ich, die Schauspielerei noch lange weiter betreiben zu können.

teleschau: Sie gehen immer noch zur Schule und machen bald Ihren Abschluss. Wie reagieren Ihre Mitschüler, wenn sie Sie auf der Leinwand sehen und dann am nächsten Tag auf dem Gang treffen?

Rice: Das ist für manche echt seltsam. Vor allem, weil sie mich im Schulalltag ganz anders kennen. Ich trage andere Klamotten, habe keinen komischen Akzent (lacht). Das war ganz extrem, nachdem „Die Verführten“ 2017 in die Kinos kam. Da waren meine Mitschüler und Freunde echt komplett durcheinander. Aber sie sind auch alle sehr lieb und unterstützen mich in jeglicher Hinsicht.

Das Interview führte Sarah Schindler