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Letztendlich sind wir dem Universum egal – Gedankenexperiment mit Herzschmerz

Die Bestseller-Verfilmung „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ hat mit der Körper-wandernden Seele zwar eine ziemlich spannende Prämisse, rutscht aber allzu häufig in eine kitschige Teenie-Romanze ab.

„Every Day“, so der Originaltitel des Films und der Buchvorlage von Bestseller-Autor David Levithan, beschreibt eine Geschichte, die einen äußert interessanten Ansatz verfolgt. Kann man jemanden lieben, nur aufgrund seines Charakters? Losgelöst von Geschlecht, Körperform, Hautfarbe und weiteren Äußerlichkeiten? Die 16-jährige Rihannon kann das offenbar. Liebesgeschichten gibt es wie Sand am Meer. Realismus wird dabei in der Regel nicht großgeschrieben. Aber „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ legt mit seiner ungewöhnlichen Teenager-Romanze noch einmal eine paranormale Schippe drauf.

Rhiannon (Angourie Rice) ist ein ganz normaler Teenager. Die 16-Jährige geht auf die Highschool, ist mit dem angesagten Justin (Justice Smith) zusammen und muss sich mit den üblichen Problemen einer Heranwachsenden auseinandersetzen. Ihre Welt gerät durcheinander, als sie eines Tages einen ganz anderen Justin kennenlernt – er ist liebevoll, gewitzt und charmant. Eben ganz anders. Erst nach und nach dämmert es Rhiannon, dass das nicht ihr „alter“ Justin ist, jemand hat von ihm Besitz genommen. Doch sie verliebt sich in diesen Charakter.

Als Justin am nächsten Tag wieder der Alte ist und sich an nichts erinnern kann, versucht Rhiannon, die Seele wiederzufinden. Das Problem dabei ist, dass „A“, so nennt sich die Seele, jeden Tag in einem neuen Körper aufwacht. Und so versuchen A und Rhiannon, die Verbindung zueinander aufrechtzuerhalten – was sich unter den gegebenen Voraussetzungen als nicht ganz einfach herausstellt.

Aus einer anfänglich säuselnd süßen Liebesgeschichte, die oft zu sehr eine heile Welt in den Vordergrund rückt und sich zu wenig mit den Außenseitern innerhalb der Geschichte befasst, wird ein Drama. Ein Drama, welches wichtige Fragen und Statements aufwirft, sie aber leider zu knapp behandelt.

Anders als im Film, in dem die Geschichte vor allem aus Rhiannons Sicht erzählt wird, übernimmt im Roman A die Rolle des Erzählers. Zwar schlüpft man als Zuschauer oft gefühlt in As Haut, die wichtigen Entscheidungen gehen aber von Rhiannons Warte aus. Das verrückt den eigentlichen Sinn von Levithans Geschichte: So steht bei ihm hauptsächlich A im Fokus und die Frage, was es mit jemandem macht, der sich jeden Tag einen fremden Körper leihen muss. Diese Aspekte werden in der filmischen Umsetzung zwar angeschnitten, müssen aber oft weichen, wenn die Romanze ihren Platz einfordert.

Dabei scheint Angourie Rice die Rolle der Rhiannon auf den Leib geschneidert. Sie verschmilzt mit ihr, wirkt authentisch. A wird natürlich von vielen unterschiedlichen Schauspielern dargestellt. Mal ein korpulenter Junge, mal ein androgynes Mädchen oder ein gutaussehender Justin-Bieber-Verschnitt. Insgesamt sind es 15 Personen, in dessen Körper A schlüpft. Besonders einer sticht dabei aber hervor: Alexander – gespielt von Owen Teague. Er ist derjenige, mit dem sich der Film am meisten aufhält. Leider etwas zu viel, was zwar für die Geschichte Sinn ergibt, den Zuschauer aber auch bald langweilt.

Überhaupt könnte „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ ein wenig mehr Pepp und Witz vertragen, driftet die Geschichte doch zu sehr in prüden, oft weichgespülten Kitsch ab. Es hätte der äußerst spannenden Idee gutgetan, sich mehr auf die Aspekte dieses Gedankenexperiments einzulassen. Stattdessen überlagert die Teenie-Romanze alles. Das reißen leider auch keine hervorragende Angourie Rice und ihre Chemie zu den zahlreichen Darstellern des A nicht heraus. Man kann sich „Letzendlich sind wir dem Universum egal“ zwar durchaus ansehen und sich berieseln lassen, eine definitiv bessere Wahl wäre es aber, zum Buch zu greifen.